„Die Geschichte vom Gurkenglas“ oder „Der Professor und seine Studenten“ oder „Die wichtigen Dinge im Leben“

November 20, 2019

„Die Geschichte vom Gurkenglas“ Der Professor und seine Studenten“ oder „Die wichtigen Dinge im Leben“

Ein Professor stand vor seinem Philosophie-Kurs und hatte ein Experiment vor sich aufgebaut, das aus folgenden Dingen bestand: Ein sehr großes Gurkenglas und drei weitere verschlossene Kisten. Als die Vorlesung begann, öffnete er wortlos die erste Kiste und holte daraus Golfbälle hervor, die er allesamt in das Gurkenglas füllte. Er fragte die Studenten, ob das Glas voll sei und sie bejahten dies.

Als nächstes öffnete der Professor die zweite Kiste. Sie enthielt kleine Kieselsteinchen. Diese schüttete er zu den Golfbällen. Dabei bewegte er das Glas sachte und die Steinchen trudelten in die verbliebenen Zwischenräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob das Glas nun voll sei. Sie stimmten auch jetzt zu. Daraufhin öffnete der Professor die dritte Kiste. Sie enthielt feinen Sand. Diesen schüttete er ebenfalls ins Glas zur Golfball-Steine-Mischung. Naturgemäß rieselte der Sand in die nun noch verbliebenen Zwischenräume und füllte diese aus. Der Professor fragte nun ein drittes Mal, ob das Glas voll sei. Und wieder antworteten die Studenten wie im Chor mit “Ja!”. Schließlich holte der Professor zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor, öffnete sie und schüttete deren Inhalt in den Topf und füllte somit auch den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Unter den Studenten machte sich verwirrtes Lachen breit.

“Nun”, sagte der Professor, als das Lachen nachließ, “ich möchte, dass Sie dieses Gurkenglas als Sinnbild Ihres Lebens ansehen. Die Golfbälle sind die großen und wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde. All die entscheidenden und richtungsweisenden Aspekte Ihres Lebens, durch welche, falls alle Stricke reißen und sonst nichts mehr bliebe, Ihr Leben trotzdem noch erfüllend wäre.” Er fuhr fort: “Die Kieselsteine symbolisieren die anderen Dinge im Leben, die auch ihren Wert haben, wie Ihre Arbeit, Ihr Haus, Ihr Auto, Ihr Hobby. Der Sand wiederum steht für alles andere, die vielen Kleinigkeiten, die auch zum Leben gehören”. Noch immer sah er in ungläubige Gesichter.

“Wichtig ist aber Folgendes: Falls Sie den Sand zuerst in das Glas geben”, fuhr der Professor unbeirrt fort, “reicht der Platz weder für die Kieselsteine, noch für die Golfbälle. Und dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in die vielen Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie den nötigen Platz haben für die wirklich wichtigen Dinge. Achten Sie also immer zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind. Achten Sie auf die Dinge, die Ihr Glück direkt beeinflussen: Verbringen Sie Zeit mit Ihren Kindern und gehen Sie mit ihrem Partner mal wieder ins Restaurant. Danach ist noch genug Zeit, um das Auto zu waschen oder ein Fußballspiel zu schauen. Setzen Sie Prioritäten, denn der Rest ist nur Sand und fügt sich fast von selbst.”

Einer der Studenten hob die Hand und wollte wissen, welche Rolle denn das Bier am Ende spielen sollte. Der Professor schmunzelte: “Ich bin sehr froh, dass Sie das fragen. Das zeigt Ihnen, egal wie schwierig oder vollgepfropft Ihr Leben auch erscheinen mag – es ist immer noch Platz für ein oder zwei Bier mit einem
Freund!


Heute mal ein Gedicht…

April 19, 2007

Wilhelm Busch

 
 

Hund und Katze

 

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.
Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

 

 
Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 in Widensahl bei Hannover geboren. Er studierte zuerst Maschinenbau, dann an den Kunstschulen in Düsseldorf, Antwerpen und München. Busch war Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter“ und des „Münchner Bilderbogen“. Er wurde durch seine Bildergeschichten weltberühmt. Ab 1864 lebte er zurückgezogen erst in seinem Heimatdorf Wiedensahl, dann bis zu seinem Tode am 9. Januar 1908 in Mechtshausen (Harz).

 

 

Heike